Donnerstag, 24. September 2009

Eine kleine Anekdote zur brasilianischen Buerokratie

In Deutschland bereits mit dem Visum ausgestattet, das gewisse Kosten, ein polizeiliches Fuehrungszeugnis, zwei ausgefuellte Antragsformulare mit Passbildern, ein Schreiben von Terra Mirim, eine Versicherungsmitteilung meiner Mutter ueber Hilfsgelder und einen Brief von unserer Entsendeorganisation erfordert hatte, wurden wir vom brasilianische Konsulat in Muenchen gebeten, unser Visum in Brasilien bei der Polizei "registrieren" zu lassen. Das sah dann so aus:
- 2 Stunden Busfahrt zur Polizeihauptstelle in Salvador: "Bitte gehen Sie zur Zweigstelle Flughafen"
- 1,5 Stunden Busfahrt zum Flughafen: "Haha, Sie muessen erst 80 Euro Steuern bezahlen, notariell beglaubigte Kopien aller benoetigten Reisepassdokumente vorweisen, zwei Passbilder vorlegen, das Original des Antrags zum Visum in Deutschland mitbringen und Abdruecke aller 10 Finger hinterlassen. Denn sie brauchen einen Ausweis fuer Auslaender."
- 2 Stunden Busfahrt zurueck nach Terra Mirim
- Kontaktierung der brasilianischen Botschaft in Deutschland: "Wir wissen davon nichts und koennen Ihnen nicht weiterhelfen"
- Kontaktierung des deutschen Honorarkonsulats in Salvador: "Jeder muss das hier machen, das ist ganz normal. Jeden Tag ohne Auslaenderausweiss zahlen Sie ab 30 Tagen Aufenthalt Strafe."
- 2 Stunden Aufenthalt im Staedtchen zum Passbilder machen
- 2 Stunden Fahrt zum Flughafen: "Nein, nein. Bezahlen geht nicht bei Polizei hier, bitte gehen Sie zur Bank nebenan."
- 2 Stunden Wartezeit in der Bank, Bearbeitungsvorgang: 5 Minuten
- 1 Stunde ausfuellen eines weiteren portugiesischen Formulares (bei der Polizei spricht keiner eine andere Sprache, geschweige denn ist freundlich), Diskussion ueber die Tatsache, das mein eines Schriftstueck ein Original ist ("Es ist beidseitig abgestempelt. Wie soll es eine Kopie sein?" "Não é original !"...)
- Empfang eines bemittleidenswerten Stueck Papiers
- 2,5 Stunden Rueckfahrt, denn wir nahmen zu Beginn ausversehen den Bus in die falsche Richtung

Bilanz
- 14 Busfahrten ~ 40 Reais
- Steuern ~ 190 Reais
- 15 Stunden Wartezeit in Bussen, an Haltestellen oder in der Bank
- Tote Nerven
- Ein kleiner Fetzen Papier (vorlaeufiger Auslaenderausweis), Original wird "in einigen Monaten" nachgelieferth

Fazit
Kafka lebt

Mittwoch, 9. September 2009

Einige Bilder von Dilan!

Klick:
http://picasaweb.google.com/xxxDilanxxx/Brazil#

Montag, 31. August 2009

Chegando - angekommen

Wir sind da. Tatsaechlich angekommen. Ein ganzer 29 Stunden Tag war dafuer noetig, mit Abflugproblemen, Flugzeugumstieg und allem was das Abenteurerherz sonst noch begehrt.
Bei der Ankunft war es schon dunkel, deswegen konnten wir eigentlich erst etwas sehen, als wir am naechsten Tag aus unseren Zimmerchen krochen.
Man guckt dann um sich und schon auf den ersten Blick faellt einem auf, dass hier irgendwas nicht zu stimmen scheint: kaum eine Pflanze, die hier waechst, habe ich schon einmal gesehen und erst recht nicht in Deutschland. Mangobaueme, Avocados, Guiavebaueme und natuerlich Kokosnussgewaechse! Eben alles, was man sich gerade zum Fruehstueck wuenschen wuerde und genau das gibt es dann auch - in Form frisch gepresster Saefte...
In den letzten drei Tagen haben Dilan und ich nach und nach einiges (aber wohl lange noch nicht alles) ueber die Arbeitsablaeufe in Terra Mirim gelernt und die verschiedenen Einrichtungen angeguckt. Dabei wurde auch hier und da mal reingeschnuppert, z.B. durfte ich bei der Bienenzucht (sie haben keine Stachel!) mithelfen und fuer sie leckeren Zuckersaft zubereiten, den sie dann ans Bienenhaus geliefert bekommen. Sinn des Ganzen: die Bienen, welche leider vom Aussterben bedroht sind, vermehren sich schneller in ca. 25 Kolonien à 3000 "Starterbienen" und werden dann nach und nach im Rest des verbliebenden Atlantischen Regenwalds ausgesetzt, um tatkraeftig mitzuhelfen bei der Wiederaufforstung. Dieser Regenwald (nicht zu verwechseln mit dem Amazonischen Namensvetter) wurde in den letzten 200 Jahren auf etwa 5% seiner Ursprungsgroesse reduziert, die Lage ist also sehr ernst. Das Bienenprojekt in Terra Mirim ist zwar "nur" ein Tropfen auf den heissen Stein, aber nutzen tut es uns trotzdem allen. Terra Mirim liegt direkt am Rande von einem verbliebenen Waldfleck, der in der Vergangenheit stark dezimiert wurde und versucht nun mit der Zeit, die Natur wieder nachhaltig zu staerken. Dazu wurde in juengster Vergangenheit mit deutschen Spendengeldern auch ein groesseres Stueck Wald ein wenig abseits der Fundacao gekauft, um diese Projektarbeit darauf auszudehnen.

Die bildungstechnische Arbeit werde ich ein wenig spaeter aufnehmen, als die Arbeit, die ich rein koerperlich erledigen kann, denn sprachlich habe ich eindeutig noch Luft nach oben. Feststehen tut aber schon jetzt, dass ich Volleyball unterrichten werde, womoeglich auch noch Englisch und "Computerkunde" - wie z.b. den Bau einer Website, was ich gerne machen wuerde. Der Ablauf einer Arbeitswoche wird im Uebrigen immer jeden Montagmorgen am runden Tisch entschieden, d.h. keine Woche ist wie die vorherige und jeder macht jeden Tag verschiedene Sachen. Ich werde jetzt aber erst einmal zwei Wochen Sprachkurs in Salvador City machen, damit mich nicht nur meine kleine Freundin - "Lila" ist erst sechs Jahre alt und echt voll knuffig - so richtig versteht. Nein, ganz so schlimm ist es auch nicht mit dem Sprechen, aber es aergert mich selbst, nach jedem dritten Satz nachfragen zu muessen, was jetzt gemeint war. Zum Glueck sind die Leute hier da ziemlich tolerant :-)

Zum Thema Brasilien an sich: wir haben hier Winter (!) und waren heute (Sonntag) zum ersten Mal am Strand - 30 Grad, Sonnenbrand, Palmen, erholsam! Leider ist der Strand doch eine gute Autostunde entfernt und, meine Eltern wird es freuen, Dilan und ich sind nicht befugt, die Autos der Fundacao zu fahren. Die Strassen und der Verkehr sind ohnehin ein wenig gewoehnungsbedurftig, was eine erste Busfahrt heute noch unterstreichen durfte. Das Leben ausserhalb der Fundacao, soweit wir es bis jetzt gesehen haben, ist irgendwie anders als in Europa. Es laufen staendig Menschen und Tiere am Fahrbandrand, die Haueser sehen sehr haeufig nicht "langlebig" aus und es wirkt alles ein wenig provisorisch. Gleichzeitig ist es aber irgendwie auch eine sehr sehr herzliche Stimmung, die einen erfasst, wenn man sonntagabends ueber einen Platz laueft und die allgemeine gute Laune ihre Fuehler nach einem ausstreckt, schoene Duefte umherwehen und man lachenden, spielenden Kindern zusehen kann.

Soweit mein erster Bericht von hier, das Internet ist zu manchen Tageszeiten aeusserst langsam, deswegen werde ich nicht so oft schreiben koennen, wie ich es manchmal gerne wuerde :-)
Ich hoffe, in Deutschland laufen die Dinge, wie sie sollen!

Liebste Gruesse aus Bahia,
Max

P.S.: In zwei Wochen spielt Brasilien gegen Chile in der Fussball-WM-Quali in Salvador...

Montag, 24. August 2009

In den letzten Vorbereitungen...

Ein intensives Schuljahr ist zu Ende gegangen, das Abitur wurde gemeistert, die Portugiesischkenntnisse befinden sich in einer guten Wachstumsphase, und zwei Wochen an Vorbereitungsseminaren für Brasilien sind bewältigt.
Nun, zwei Tage vor unserem Abflug, muss ich doch zugeben, dass sich mein Adrenalinspiegel gehoben hat. Wenn gleich die vielen "wir sehen uns in einem Jahr" schon an mir nagen oder beim Umkrempeln des Zimmers Aufsätze aus meinem dritten Schuljahr die Nostalgie schüren - die Vorfreude überwiegt. "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt" ist das Motto dieser Tage, gemischt mit einem "wieder sehen macht Freude". Mir wird ein bisschen mulmig dabei, die Schulzeit und mein behütetes Dasein erst einmal aufgeben zu müssen, dies jedoch im positiven Sinne!
Bisher wurde mir vieles in die Hände gelegt, meine Wäsche wusch sich quasi "von selbst" und während der letzten 13 Jährchen haben sich viele Menschen darum gekümmert, mir sehr wichtige Dinge fürs Leben beizubringen. Natürlich gab es auch einige konstruktive Phasen meinerseits, dennoch sehe ich mich aber eher als glücklichen Empfänger der Güte anderer. Somit verbinde ich mit dem anstehenden Jahr in Brasilien auch ein Dankeschön an die bisherige Zeit, ein Zurückgeben an Glück, das man erfahren durfte.
Zurückgeben möchte ich auch all den zuversichtlichen Helfern, Spenderinnen und Spendern etwas. Sie haben tatkräftig die Werbetrommel für dieses Projekt gerührt und insgesamt 2800 Euro zusammenbekommen - ein Riesenbetrag. Ich sehe es absolut als meine Pflicht an, in Deutschland regelmäßig zu zeigen, was da eigentlich genau unterstützt wird und wie zur nachhaltigen Entwicklung an Ort und Stelle beigetragen wird! Deshalb wird auf dieser Webseite des Öfteren ein Bericht über aktuelle Geschehnisse in der Fundação erscheinen, natürlich nicht ohne Fotos, die man sich ansehen darf. Ich werde mir mit Sicherheit Mühe geben!

Nun naht der Abschied und eine lange Reise steht bevor, nicht nur im Hinblick auf die Entfernung, sondern auch in mir selbst - wer weiß, wo sie endet? Vamos ver.

Dienstag, 3. März 2009

Wahnsinn!

Nach weiteren zwei Monaten und vielen Versuchen, Spender über Zeitungen, Elternvertreter und Spenden-"Touren" durch die Stadt für das Projekt zu finden, lasse ich einen Blick auf das Amntena-Konto schweifen und stelle fest, das bereits über 30 Leute Geld überwiesen haben.

Nun befindet sich die Summe schon im vierstelligen Bereich und es kommen wöchentlich Beträge dazu.

Ich kann Ihnen gar nicht genug danken für Ihren Einsatz und werde Sie "da drüben" sicher nicht enttäuschen! Da ich mich seit Anfang diesen Jahres auch im Dialog mit den momentan vor Ort arbeitenden Freiwilligen befinde, kann ich im Hinblick auf die Verwendung des gespendeten Geldes auch präziser werden:
Es werden den Schülern hauptsächlich Unterrichtsmaterialien bezahlt, für die sie ansonsten nicht aufkommen könnten. Zusätzlich wird auch der Erwerb von Musikinstrumenten gefördert, um z.B. das Samba-Projekt oder den Gitarrenunterricht für die Jugendlichen zu ermöglichen. Wer weiß, vielleicht bringe ich ja einigen der Kinder ihre ersten Gitarrenakkorde bei, woraufhin sie sich in 10 Jahren einmal eigenständig eine Existenz auf der Grundlage der Musik aufbauen können. Das wäre eine meiner kleinen Visionen, die vor allem mit Ihrem gespendeten Geld finanziert werden kann, womit sich der Zweck der Spende vollends erfüllen würde!

Wie bereits erwähnt, bin ich Ihnen zutiefst zu Dank verpflichtet und werde dies bei gegebenem Anlass auch persönlich nachholen.

Bis zum April werde ich mich nun (leider) erst einmal meinen schriftlichen Abiturprüfungen widmen, um mein Hauptaugenmerk dann anschließend vollkommen auf die Vorbereitung für Brasilien zu werfen. Dies beinhaltet vor allem das Erlernen (immer lernen...) der Portugiesischen Sprache und natürlich die weitere Jagd nach Spenden.

Ich werde ab dann auch öfters auf dieser Internetseite von den Vorgängen berichten, die sich in meinem Umfeld und bezüglich des Projekts abspielen. Damit will ich Ihnen aufzeigen, was Sie genau unterstützen und vielleicht wecke ich ja auch den Wunsch beim Einen oder Anderen, selbst einmal solch ein Unternehmen zu wagen, oder seine Freunde und Verwandte in meinem Alter zu derartigen Projekten zu bewegen.

Machen Sie's gut und erzählen Sie es allen weiter !

Freundliche Grüße,
Max

Freitag, 9. Januar 2009

Dank

Vielen Dank an alle bisherigen Spenderinnen und Spender!

Jeder, der auch noch so einen kleinen Beitrag zur Stärkung dieses Projekts geleistet hat, kann sich sicher sein, dass dieses Geld in guten Händen ist.
Die Ergebnisse dieses freiwilligen Engagements werden ab August auf dieser Internetseite regelmäßig zu verfolgen sein.

Leider muss ich gestehen, dass noch sehr viel Geld zusammenkommen muss, ca. 2000 Euro sind von Nöten.
Also heisst es: erzählen Sie jedem, den sie als spendenfreudig kennen, von diesem Projekt !!!

Donnerstag, 20. November 2008

Die große Bitte nach einer Spende

Der Grund, warum ich derzeit Heidelbergs (und auch Braunschweigs) Straßen, Weihnachtsmärkte und Geschäfte unsicher mache, ist recht einfach zu erklären.
Das Freiwilligenjahr wird mir mit dem neuen Programm "weltwärts" vom BMZ ermöglicht. Dieses stellt Geld zur Verfügung, damit Flug, Unterkunft, Verpflegung und weitere Unkosten für 12 Monate bezahlt werden können.
Jedoch ist auch jeder Teilnehmer dazu verpflichtet, selbst 25% dieses Betrags durch einen Spenderkreis zu decken, um zusätzliche Mittel für das Projekt selbst zu schaffen. Im konkreten Fall kommt dies hier den ehrenamtlichen Einheimischen und den Kindern selbst zugute.
Aufgrund dessen bin ich auf jegliche Spenden von Außen angewiesen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar für jeden Euro, den Sie mir zur Verfügung stellen.
Wenn Sie wünschen, kann ich ihnen gerne bei einem Gespräch auch mehr Einzelheiten erläutern.

Mit freundlichen Grüßen,
Max Stammnitz